Liebe Genossinnen und Genossen,
der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Staatsratsvorsitzender der Deutschen Demokratischen Republik und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrat, Genosse Erich Honecker trat an mich heran und beauftragte mich, eine Festschrift zum 62. Geburtstag unserer Nation zu verfassen. Zu diesem feierlichen Anlass werde ich einen Blick in die Zukunft unserer großartigen Nation schweifen lassen.
Spass bei Seite!
Trotzdem möchte ich zu diesem Anlass versuchen zu klären, ob es in der Bundesrepublik nicht auch einen Unrechtsstaat gibt, so wie die DDR nur allzu oft dargestellt wird. Um es vorweg zu nehmen, vor 49 Jahren hatte doch jemand die Absicht eine Mauer zu bauen. In dieser Hinsicht hatte der Genosse Ulbricht Unrecht. Und sicher lief in unserer Republik nicht alles nach Plan, aber werfen wir doch mal einen Blick in die Bundesrepublik Deutschland. Wir werden überwacht, werden in unserer persönlichen Entfaltung eingeschränkt und wir werden belogen, betrogen und beschissen wo es nur geht. Die Frage ist jetzt doch: was unterscheidet uns noch von der DDR?
Ist es Wirtschaftssystem? Der tolle Kapitalismus, indem jeder nur noch zusieht, wie er seinen persönlichen Besitz immer weiter vermehren kann und Werte wie Solidarität oder Mitgefühl auf der Strecke bleiben.
| ich bin schon drin... |
Sind es die Methoden, mit der die Staatsmacht versucht uns mürbe zu machen? Perfide Möglichkeiten gibt es genug um beispielsweise Fussballfans in einer Datei zu speichern, ohne die Möglichkeit eines Einspruchs. Mittlerweile zählt die Datei Gewalttäter Sport auch schon 11.000 Personen. Dazu sei erwähnt, dass für einen Eintrag schon eine simple Personalienkontrolle ausreicht und schwupps ist man ein Gewalttäter.
Oder ist es die Demokratie, die uns vorgaukelt Mitspracherecht zu haben? Dazu zähle ich die Mitbestimmung bei Wahlen, genauso wie die Freiheit auf Versammlungen und Pressefreiheit. Parteien werden verboten, wenn sie der Auffassung des Staates nicht konform sind. Demonstrationen müssen angemeldet sein, sonst werden sie mit Polizeigewalt aufgelöst. Informationen werden bewusst zurückgehalten um sie der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen. Oder es werden bewusst Unwahrheiten verbreitet, die ohne Nachzufragen einfach als richtig bewertet werden.
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| Staatliche Unternehmen dienen dem Wohle des Volkes |
Das alles kommt einem doch relativ bekannt vor. Sei es aus eigener Erfahrung oder vom Hörensagen. Ich bin in einem Jahrgang geboren, in dem ich keine persönlichen Erfahrungen damit machen konnte. Aber ich denke von mir, dass ich belesen genug bin um zu behaupten, dass es gewisse Ähnlichkeiten zu einem Unrechtsstaat gibt, der vor 21 Jahren auf dem Territorium meines Landes abgeschafft wurde. Es tut mir leid, dass ich auch mal so ernste Töne ansprechen muss. Leider gibt es dazu aber genug aktuelle Anlässe. Ob in Stuttgart ein übertriebener Polizeieinsatz stattfindet oder in der Lokalpresse falsche Meldungen verbreitet werden ohne die Spur einer Richtigstellung oder ob es nur das Gefühl ist, nicht Teil des supertollen Aufschwungs zu sein, der überall sein soll. Also... Soll sich doch mal jeder seine Gedanken dazu machen.

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